Elektroautos sorgen für geringere Treibhausgas-Emissionen

…, aber nur, wenn sie mit Ökostrom gespeist werden. Denn von Haus bzw. Werk aus sind die vermeintlich umweltfreundlicheren E-Autos nicht weniger schädlich als Autos mit Benzin- oder Dieselantrieb – eher im Gegenteil. Auch wenn der Staat die Elektromobilität mit Zuschüssen und Prämien für Neuzulassungen ankurbeln will, müssen weitere Maßnahmen folgen, um den Schadstoffausstoß im Vergleich zu Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb merklich zu verringern. Das hat verschiedene Ursachen.

Elektroauto an einer Ladestation

 

 

 

 

Bild: Elektroautos und Hybride haben ein enormes Wachstumspotential, doch trotz staatlicher Zuschüsse ist die Zahl der Neuzulassungen von Fahrzeugen mit elektronischem Antrieb weiterhin niedrig. Bildquelle: Matej Kastelic – 216329872 / Shutterstock.com

Nach der Einführung der Prämie beim Kauf eines Elektroautos blieb der erhoffte Ansturm auf den Umweltbonus aus. Nur knapp 1.000 Anträge für die Kaufprämie gingen seit Einführung bis zum 16. Juli 2016 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ein. Und das, obwohl den Kunden mit 4.000 Euro Zuschuss für rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge und 3.000 Euro für Hybride ein ordentlicher Anreiz geschaffen wurde, alternative Antriebsarten den konventionellen vorzuziehen.

Das liegt vor allem an zwei Hürden, mit denen Fahrer von Elektroautos zu kämpfen haben.

  • Zum einen ist das Netz der Ladestationen bei weitem noch nicht flächendeckend ausgebaut, so dass die Wege immer noch zu weit sind. Im Jahr 2015 waren etwa 5.600 Ladestationen an 2.500 öffentlich zugänglichen Stellen vorhanden. Benzin und Diesel gibt es derweil an ungefähr 14.500 Tankstellen zu beziehen.
  • Zum anderen fällt die maximal mögliche Fahrreichweite von E-Autos mit durchschnittlich unter 200 Kilometern für die meisten Kunden zu gering aus.

Aber das ist nicht der einzige Haken, den man beim Vergleich von Stromer mit konventionellen Fahrzeugen antrifft. Es gibt noch weitere Hürden.

Emissionen werden nur durch Ökostrom niedriger

Denn die Ökobilanz eines E-Autos stellt sich erst dann besser dar, wenn der Akku mit Ökostrom gespeist wird. Und selbst bei umweltfreundlich gewonnener Energie gibt es Unterschiede. Das Magazin ÖKO-TEST nahm in einem Heft-Spezial vom 18. September 2015 26 bundesweite Anbieter von Ökostrom unter die Lupe, vor allem auch im Hinblick auf die Güte des Ökostroms und die Vertragsbedingungen. Dabei bestand u.a. der Tarif ENTEGA Ökostrom mit ÖKO-TEST „gut“.

Wird die Energie, mit denen die Stromer betrieben werden, jedoch aus fossilen Brennstoffen oder Atomenergie gewonnen, stellt sich die Umweltbelastung höher dar als bei den althergebrachten Antrieben. Um die tatsächliche Umweltbelastung eines Autos zu bestimmen, muss hingegen der gesamte Lebenszyklus betrachtet werden. Das schließt die Rohstoffgewinnung, die Produktion und die Entsorgung des Fahrzeugs mit ein und nicht nur die Schadstoffemission während des Fahrbetriebs.

In Bezug auf die Umweltverträglichkeit zeigt sich hier die Schattenseite eines E-Autos. Für das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik eine Studie erstellt, in der die Umweltwirkungen von Elektrofahrzeugen bestimmt wurden. Bei der Herstellung und dem Recycling von Elektrofahrzeugen entstehen bis zu 60 Prozent mehr Schadstoffe als bei herkömmlich angetriebenen Automobilen. Somit müssen die E-Autos sich in Bezug auf die Umweltbelastung durch den umweltfreundlichen Antrieb erst einmal amortisieren. Diesem Umstand kann man allerdings nur gerecht werden, wenn der Strom für den Antrieb aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird.

Entstehung von Schadstoffen in der Produktion

Bei der Produktion des Elektromotors entstehen zunächst weniger Schadstoffe als bei Verbrennungsmotoren. Auch der Wegfall einiger Bauteile wie der Abgasanlage oder der Lichtmaschine führt zu Einsparungen von Treibhausgasen. Jedoch entsteht durch die Herstellung und das Recycling des Akkus eine höhere Zusatzbelastung. Laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) ist der Akku bei der Produktion für beinahe die Hälfte (5 Tonnen CO2-Ausstoß) des gesamten CO2-Ausstoßes eines E-Autos (11 Tonnen) verantwortlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Produktion der Akkus für Elektroautos hauptsächlich in China vonstattengeht. Aufgrund des hohen Anteils an Kohlekraftwerken im Reich der Mitte ist die Stromproduktion ungleich schmutziger als in Deutschland.

Des Weiteren führen die Förderung der Rohstoffe für die Akkumulatoren – allen voran Kupfer, Nickel und Lithium – zu starken Feinstaubbelastungen in den Bergbauregionen, die hauptsächlich in Südamerika liegen. Die Energie- und Mobilitätswende wird somit von einem lokalen zu einem globalen Unterfangen.

Elektronische Antriebe dennoch zukunftsträchtig

Das ist jedoch kein Grund, elektronisch angetriebene Fahrzeuge bereits jetzt abzuschreiben. Dennoch bedarf es vieler Anstrengungen und weiterer politischer Maßnahmen, um Fortschritt und Absatz von umweltfreundlicheren Vehikeln voranzutreiben. Der Ausbau der erneuerbaren Energien gehört zu einem der vorrangigen Ziele der Bundesregierung. Bis 2020 sollen etwa 30 Prozent des erzeugten Stroms aus Ökostrom bestehen.

Ebenfalls vorangetrieben werden soll der Ausbau der Infrastruktur für Elektroautos, so dass umweltfreundliche Bürger nicht nur ihren Haushalt mit grünem Strom versorgen können. So gibt es zum Beispiel in Bayreuth eine Ladestation für Elektroautos, an der kostenlos „getankt“ werden kann.

Darüber hinaus sind intensive Forschungen in Gange, um neue Technologien für die Speicherung von Strom zu entwickeln. Bisher gibt es zu wenig Möglichkeiten, Stromspitzen auszunutzen und die nicht stetig verfügbaren Strommengen aus Wind- und Solarkraftwerken zu speichern. Wenn diese Felder abgearbeitet werden, kann die bis dato utopisch erscheinende Zahl der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu etablieren, vielleicht doch noch erreicht werden.

 

Bildquelle: Matej Kastelic – 216329872 / Shutterstock.com

 

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